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Geschichte

Gründerväter

Wie auch in den anderen Teilen Deutschlands entstand die CDU nach 1945 im Südwesten in örtlichen und regionalen Zirkeln, die zwar von einander wussten, aber untereinander meist nur losen Kontakt hatten. Das heutige Baden-Württemberg war in zwei Besatzungszonen geteilt: Württemberg-Baden war eines der drei Länder der amerikanischen Zone; Südbaden und Württemberg-Hohenzollern waren zwei der drei Länder der französischen Besatzungszone. Teilweise bereits während der nationalsozialistischen Herrschaft hatten sich Männer und Frauen auf die Zeit des demokratischen Wiederbeginns vorbereitet und die Idee einer interkonfessionellen, christlich inspirierten Volkspartei der Mitte entwickelt. Mit Josef Andre und Wilhelm Simpfendörfer in Nordwürttemberg, Heinrich Köhler, Fridolin Heurich und Franz Gurk in Nordbaden, Leo Wohleb und Anton Dichtel in Südbaden, Lorenz Bock, Ulrich Steiner und Gebhard Müller in Württemberg-Hohenzollern sind einige der herausragenden Persönlichkeiten der Gründergeneration der Christlich Demokratischen Union in Baden-Württemberg genannt.

Namensgebung

Selbst der Name "Christlich Demokratische Union" war anfänglich nicht einheitlich, sondern setzte sich erst 1947 vollends durch. So entstand die CDU in Südbaden als "Badische Christlich-Soziale Volkspartei (BCSV), in Nordbaden firmierte man als "Christlich-Demokratische Partei" (CDP), in Nordwürttemberg, namentlich in Stuttgart, als "Christlich-Soziale Volkspartei"; lediglich in Württemberg-Hohenzollern, wo wie in Südbaden die französischen Behörden die Gründung von Parteien erst sehr spät zuließen, verlegte man sich von Anfang an auf "CDU", weil man von dem früheren aus Biberach stammenden Zentrumsabgeordneten Josef Ersing gehört hatte, dass unter diesem Namen auch in anderen Teilen Deutschlands, besonders in Berlin und Köln, Parteien gleicher politischer Grundlage entstanden waren.

Neugliederung im Südwesten/Zusammenschluss der Länder im Südwesten

Nach der Gründungsphase hatte die CDU auf dem Weg zur Gründung des "Südweststaates" ihre erste Bewährungsprobe zu bestehen. Insbesondere mit dem (süd-)badischen Staatspräsidenten Leo Wohleb gab es in der Partei einen gewichtigen Befürworter einer Eigenständigkeit Badens. Umso wichtiger war die Rolle des Staatspräsidenten und CDU-Landesvorsitzenden von Württemberg-Hohenzollern, Gebhard Müller, der zum Motor bei der Bildung Baden-Württembergs wurde. Ein Meilenstein in der Willensbildung der CDU waren die sog. "Freudenstädter Beschlüsse" von 1949, in denen Gebhard Müller mit seinen CDU-Landesvorsitzendenkollegen Anton Dichtel (Südbaden), Fridolin Heurich (Nordbaden) und Wilhelm Simpfendörfer (Nordwürttemberg) einen Kompromiss fand, der letztlich die Voraussetzung für die Südweststaatsabstimmung am 9. Dezember 1951 bildete: es sollte eine Volksabstimmung durchgeführt werden, bei der die Neugliederungs-frage alternativ gestellt und getrennt nach den alten Ländern ausgezählt werden sollte.

Die ersten Jahre

Das Ergebnis der ersten Landtagswahl, der Wahl zur Verfassunggebenden Versammlung Baden-Württembergs am 9. März 1952, zeigt, dass die späteren Spitzenergebnisse der CDU im Land ihr keineswegs "in den Schoß" gelegt wurden. Mit 36 Prozent wurde die CDU zwar stärkste Partei im Land (SPD 28%, FDP/DVP 18%, GB/BHE 9,3%, Sonstige 8,7%). Aufgrund der unterschiedlichen gesellschaftlich-kulturellen Struktur schnitt die CDU in den vier Landesteilen jedoch recht verschieden ab; so erlangte die CDU in Südbaden 43,5 Prozent, in Nordbaden 34,5 Prozent, in Nordwürttemberg 26,2 Prozent und in Südwürttemberg-Hohenzollern 51,4 Prozent. Eine herbe Enttäuschung für die CDU war es, dass am Tag der Gründung des Landes die kleineren Parteien eine Koalition gegen die Union bildeten, die damit auf die Oppositionsbänke verwiesen wurde. Allerdings nur für ein Jahr, denn das sogenannte "deutsche Wahlwunder" der Bundestagswahl 1953 war auch ein baden-württembergisches: von 39,6 Prozent im Jahr 1949 steigerte sich die CDU im Land auf 52,4 Prozent; in Südbaden von 51,8 Prozent auf 62,8 Prozent, in Nordbaden von 34,6 Prozent auf 48,4 Prozent und in Württemberg-Hohenzollern von 59,1 Prozent auf 63,8 Prozent. Diesen veränderten Kräfteverhältnissen wurde am 30. September 1953 mit der Wahl Gebhard Müllers zum Ministerpräsidenten Rechnung getragen.

Gebhard Müller

Kurt-Georg Kiesinger

Hans Filbinger

Lothar Späth

Erwin Teufel

Günther H. Oettinger

Stefan Mappus

Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg

Seitdem stellt die CDU in Baden-Württemberg kontinuierlich den Ministerpräsidenten – länger als in Bayern, wie Ministerpräsident Erwin Teufel im Jahr 2002 bei einer Veranstaltung der "Baden-Württemberg-Partei CDU" zum fünfzigjährigen Landesjubiläum bemerkte. Das Erfolgsrezept dieser Ära liegt sicherlich darin, dass jeder Ministerpräsident seiner Amtszeit einen eigenen Stempel aufprägte.

- Ministerpräsident Gebhard Müller (1953 bis 1958) steht als "Gründungsvater" für die behutsame Zusammenführung der Landesteile und die Konsolidierung des neuen Bundeslandes. Er füllte das formell gebildete Land mit "Staatsgeist", wie er es nannte.

- Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger (1958 bis 1966) hat einen besonderen Schwerpunkt auf den Ausbau der Bildungsinfrastruktur gelegt. So wurde die Basis der heutigen Spitzenstellung Baden-Württembergs auf diesem Gebiet unter allen Bundesländern geschaffen.

- Ministerpräsident Hans Filbinger (1966 bis 1978) hat in den siebziger Jahren mit der Kreis- und Gemeindereform im Land eine zeitgemäße Verwaltungsstruktur geschaffen.

- Ministerpräsident Lothar Späth (1978 bis 1991) hat Baden-Württemberg auf die moderne Informationsgesellschaft vorbereitet und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Land auch im High-Tech-Bereich eine Spitzenstellung einnimmt.

- Ministerpräsident Erwin Teufel (1991-2005) bewältigte den tiefen Strukturwandel, den die deutsche Einheit und die Globalisierung auch in Baden-Württemberg auslösten. Mit der Schaffung einer starken Landesbank Baden-Württemberg, eines einheitlichen Landessenders Südwestrundfunk sowie der Fusion zur EnBW hat Erwin Teufel das Land im Wettbewerb der Regionen gestärkt und mit den "Zukunftsoffensiven" wichtige Projekte für sichere Zukunftschancen der jungen Generation ermöglicht. Mit der 2004 vom Landtag beschlossenen "Verwaltungsreform" hat Erwin Teufel eines der seit Jahrzehnten größten Reformprojekte zur Modernisierung der Landesverwaltung auf den Weg gebracht. Der Verwaltungsaufbau Baden-Württembergs wird so zu einer der bundesweit modernsten Organisationen.

- Ministerpräsident Günther H. Oettinger (2005-2010) hat bei seine Amtsübernahme im Jahr 2005 die Sorge um Arbeitsplätze und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Mit dem Kinderland Baden-Württemberg und der Nullverschuldung in den Jahren 2008 und 2009 hat Günther Oettinger bundesweit Akzente gesetzt.

Stefan Mappus war vom 10. Februar 2010 bis 12. Mai 2011 Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.

Die CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg

Parlamentarisch wurden die Ministerpräsidenten getragen von der CDU-Landtagsfraktion, der als jeweils stärkster Fraktion im Landesparlament eine besondere Rolle zukommt. Fraktionsvorsitzende waren Franz Gurk (1952 bis 1953), Gebhard Müller (1953), Franz Hermann (1953 bis 1960), Camill Wurz (1960 bis 1968), Erich Ganzenmüller (1968 bis 1972), Lothar Späth (1972 bis 1978), Erwin Teufel (1978 bis 1991), Günther H. Oettinger (1991 bis 2005), Stefan Mappus (2005-2010) und Peter Hauk (seit 2010).

Die Entstehung eines einheitlichen Landesverbandes Baden-Württemberg

So sehr die Ministerpräsidenten der CDU von Anfang erfolgreich auf eine ausgewogene und gleichwertige regionale Entwicklung aller Landesteile achteten, so schwierig taten sich die vier CDU-Landesverbände bis zur Bildung eines einheitlichen CDU-Landesverbandes. Erst 1971, am 15. und 16. Januar, schlossen sich die vier seitherigen Landesverbände Südbaden, Vorsitzender war Hans Filbinger, Nordbaden, Vorsitzender war Gerhard Zeitel, Nordwürttemberg, Vorsitzender war bis 1971 Klaus Scheufelen und dann Gerhard Mahler, sowie Württemberg-Hohenzollern, Vorsitzender war Eduard Adorno, zum CDU-Landesverband Baden-Württemberg zusammen. Die vier ehemaligen Landesverbände wurden nun Bezirksverbände.

Vorsitzender des neuen Landesverbandes wurde bis 1978 Hans Filbinger, auf den bis 1991 Lothar Späth, dann Erwin Teufel (bis 2005), Günther H. Oettinger (bis 2009) und Stefan Mappus (bis 2011) folgten. Da der Vorsitzende der CDU Baden-Württemberg jeweils das Regierungsamt des Ministerpräsidenten innehatte, wählte die CDU mit Unterbrechungen als "politische Stimme der Partei" einen Generalsekretär: Wolfgang Schall (1971 bis 1973), Dietmar Schlee (1973 bis 1975), Gundolf Fleischer (1975 bis 1979), Volker Kauder (1991 bis 2005) und Thomas Strobl (2005 bis 2011).

Wahlergebnisse der CDU im Land

Bei allen Landtagswahlen seit 1952 wurde die CDU mit Abstand wählerstärkste Partei. Die CDU erzielte bei den Landtagswahlen folgende Ergebnisse:

1952 36,0 %      1956 42,6 %      1960 39,5 %
1964 46,2 %      1968 44,2 %      1972 52,9 %
1976 56,7 %      1980 53,4 %      1984 51,9 %
1988 49,0 %      1992 39,6 %      1996 41,3 %
2001 44,8 %      2006 44,2 %      2011 39,0 %        

Ähnlich herausragende Ergebnisse erzielte die CDU im Land bei den Bundestagswahlen seit 1949:

1949 39,6 %      1953 52.4 %      1957 52,8 %
1961 45,3 %      1965 49,9 %      1969 50,7 %
1972 49,8 %      1976 53,3 %      1980 48,5 %
1983 52,6 %      1987 46,7 %      1990 46,5 %
1994 43,3 %      1998 37,8 %      2002 42,8 %
2005 39,2 %      2009 34,4 %

Bedeutende Bundespolitiker aus Baden-Württemberg

Aus dem CDU-Landesverband Baden-Württemberg kamen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Politiker, die über das Land hinaus in der Bundespolitik oder auf europäischer Ebene eine herausragende Stellung einnahmen.

Dazu zählen:

- Kurt Georg Kiesinger, von 1966 bis 1969 Bundeskanzler sowie von 1967 bis 1971 Vorsitzender der CDU Deutschlands.

- Ludwig Erhard, von 1963 bis 1966 Bundeskanzler, war zwar kein Baden-Württemberger, aber von 1949 bis 1972 Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ulm, anschließend bis 1976 über die baden-württembergische CDU-Landesliste.

- Eugen Gerstenmaier, einer der großen Parlamentarier der Aufbaujahre und von 1954 bis 1969 Bundestagspräsident, vertrat von 1949 bis 1969 den Wahlkreis Backnang im Deutschen Bundestag.

- Hans Furler, von 1953 bis 1972 Abgeordneter des Wahlkreises Offenburg, war von 1956 bis 1958 Präsident der Gemeinsamen Parlamentarischen Versammlung der EGKS und von 1960 bis 1962 Präsident des Europäischen Parlaments.

- Manfred Wörner war, nachdem er von 1965 bis 1988 den Wahlkreis Göppingen vertreten hatte sowie von 1982 bis 1988 als Bundes-verteidigungsminister amtierte, von 1988 bis 1994 NATO-Generalsekretär;

- Wolfgang Schäuble, seit 1972 Abgeordneter des Wahlkreises Offenburg, führte von 1991 bis 2000 die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und war von 1998 bis 2000 Vorsitzender der CDU Deutschlands.

 

Die CDU in Baden-Württemberg

Eines der Erfolgsrezepte der CDU Baden-Württemberg ist neben der Europa-, Bundes- und Landesebene ihre Verankerung in den Kreisen, Städten und Gemeinden. Die CDU hat im Land mit ihren knapp 72.000 Mitgliedern eine breite Basis und ist die mit Abstand größte Partei in Baden-Württemberg. Die Ergebnisse der Landtagswahlen 2001, 2006 und 2011, der Bundestagswahlen 2002, 2005 und 2009 sowie der Europa- und Kommunalwahlen 2004 und 2009 stellen einmal mehr die Verankerung der Union in Baden-Württemberg unter Beweis.

Die Geschichte der CDU hat gezeigt, dass sich dieser Erfolg nicht von selbst eingestellt hat, sondern von der Partei und ihren Mitgliedern hart erarbeitet wurde. Mit einer organisatorischen "Runderneuerung" auf dem Landesparteitag 2003 in Pforzheim und dem neuen Grundsatzprogramm "Für eine neue Balance zwischen Gegenwart und Zukunft" (beschlossen am 27./28. Oktober 2006 in Pforzheim) trägt der CDU-Landesverband dafür Sorge, dass die Union auch in Zukunft die "Baden-Württemberg-Partei" bleibt.

Text: Claus-Peter Grotz

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